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Silicon Valley versus Hasso-Plattner-Institut in Potsdam

Warum sich Brandenburg nicht vor dem IT-Mekka verstecken muss

Hightech, Start-up, Virtual Reality. Für diese und noch viel mehr Anglizismen steht das Silicon Valley. Südlich von San Francisco gelegen, wird im mächtigsten Tal der Welt der Lauf der Zukunft mitbestimmt. Ein gutes Vorbild für Potsdam: Denn auch im größten Forschungsballungsraum unseres Kontinents keimen am laufenden Band innovative Technologiekonzepte auf. Neben der Ebay-Europazentrale und dem GeoForschungsZentrum könnte besonders das Hasso-Plattner-Institut (kurz: HPI) dem kalifornischen IT-Eldorado den Platz streitig machen. Treten hier ebenbürtige Standorte gegeneinander an oder kämpft David gegen Goliath? Unsere Standortanalyse.

Googleplex versus Hasso-Plattner-Institut

Wenn im Silicon Valley das Herz für IT-Begeisterte pocht, dann ist das Googleplex die Hauptschlagader. Das offizielle Hauptquartier des Milliardenkonzerns Google ist Technologiefestung und Spielplatz für Erwachsene zugleich. Können Potsdam und das HPI auch mit bunten Mitarbeiterfahrrädern und einer lebensgroßen Dinosaurierstatue dienen? 

Klare Antwort: nein. Aber die futuristische Gestaltung des Hauptgebäudes macht einiges wett. Inspirierende Zitate populärer IT-Wissenschaftler schmücken die Wände des Innenhofes. Als Ausgleich zum geistigen Hochleistungssport können Mitarbeiter die institutseigenen Volleyball-, Fußball- und Tennisplätze nutzen. In diesem Jahr feiert das Institut seinen 20. Geburtstag, hat somit stolze vier Jahre mehr auf dem Buckel als das Googleplex. Wer ist jetzt hier der Vorreiter in Sachen Innovation?

Foto: HPI / Kay Herschelmann

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San Francisco Bay versus Griebnitzsee

Eins steht fest: Auf wessen Schultern zukunftsträchtige IT-Konzepte lasten, der muss auch mal die Seele baumeln lassen. Die San Francisco Bay ist nicht nur das Silicon Valley, sondern unumstritten das wichtigste Biotop Kaliforniens.

Auch am Hasso-Plattner-Institut ist das Thema Naherholung omnipräsent. Der Griebnitzsee ist nur einen Steinwurf vom Gelände entfernt. In der Mittagspause einfach mal eine Runde mit dem Kanu drehen? Am HPI keine Wunschvorstellung. Weiterer Bonus: Ein Teich direkt auf dem Institutsareal regt kluge Köpfe zum Rebooten an.

Foto: HPI / Dirk Laessig

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Steve Jobs versus Hasso Plattner

Hightech ist in unseren Alltag eingezogen und die Gesichter der Galionsfiguren gleich mit. Einer der größten Stars, die das Silicon Valley hervorgebracht hat, ist unumstritten Steve Jobs.

Hasso Plattner kann man als den deutschen Steve Jobs bezeichnen – auch wenn sein Gesicht sicher längst nicht so viele Menschen erkennen werden. Plattner schließt die Top 10 der reichsten Deutschen ab. Anfang der 70er Jahre gründet er den Softwarekonzern SAP, welcher allein 2018 24,7 Milliarden Euro erwirtschaftet hat. Doch Plattner kann nicht nur führen sondern auch geben. Der Namensgeber des Potsdamer Instituts bereitet jungen Querdenkern einen erfolgversprechenden Einstieg in die Branche. Selbst im fernen Südafrika investiert er sein Vermögen in frische IT-Talente. Unter anderem fördert er die Universität Kapstadt, um dort für Forschungsbedingungen nach brandenburgischem Vorbild zu sorgen.

Foto: HPI / Kay Herschelmann

 

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Stanford University versus Waldcampus  

Apropos aufstrebende Talente: Innovation lebt von jungen Freigeistern. Kaderschmiede im Herzen des Silicon Valley ist die Stanford University. Insgesamt 30 Nobelpreisträger haben in Stanford gelernt und gelehrt – Platz 3 im weltweiten Ranking.

Das Hasso-Plattner-Institut lebt von dem Vergleich mit der US-amerikanischen Elite-Universität. Am sogenannten "Waldcampus" erzielt man zumindest schon mal eine optische Angleichung: Die Gebäudeplanung sieht eine große, gleichmäßige Fensterfront vor – ganz nach dem Vorbild der Stanford University.

Ehemalige Absolventen schaffen eine Verlinkung zwischen dem Silicon Valley und dem HPI: Sebastian Roschke bekleidet eine hohe Position beim Milliardenkonzern Google. Jonas Gebhardt versorgt die Facebook-Tochter Instagram mit neuen Features. Zusätzlich wird in deutschlandweit einmaligen Studiengängen wie Digital Health oder Cybersecurity der neue IT-Nachwuchs auf sein berufliches Leben im globalen Dorf des Internets vorbereitet. Ein Nobelpreis, der nach Potsdam geht? In Zukunft gar nicht so unwahrscheinlich.

Foto: HPI / Lutz Hannemann

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Stanford Medicine Center for Digital Health versus HPI/Digital Health Center

Die Königsdisziplin. An welcher bahnbrechenden Medizintechnik wird aktuell geforscht? Schmeißen wir bald bei Wehwehchen den 3D-Drucker an? Was nicht ganz ernstgemeint klingt, ist am Stanford Medicine Center for Digital Health Forschungsalltag.

Im Digital Health Center des Hasso-Plattner-Instituts ist man schon einen Schritt weiter. Weil Irren menschlich ist, versucht man sich in Potsdam an der Entwicklung eines Digital Doctors. Gemeint ist damit aber kein vermenschlichter Roboter à la „Wall-E“, sondern eine Software, die das gesamte medizinische Wissen bündelt und somit die Diagnosestellung einfacher macht.

Foto: HPI / Kay Herschelmann

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Fazit

Silicon Valley versus Hasso-Plattner-Institut? Da zieht Potsdam allein größentechnisch den Kürzeren. Umso beeindruckender ist, dass die brandenburgische Bildungsanstalt besonders in Sachen Forschungsstand mithalten kann. Virtuelle Realität im Alltag, absolute Datensicherheit, Organtransplantate aus dem 3D-Drucker – all das sind Ideen, die am HPI weitergedacht werden. Das kann man auch im Podcast des Instituts nachhören. Der treffende Titel „Neuland“ lässt erahnen, dass auch IT-Laien dazu eingeladen sind, alle zwei Wochen einzuschalten. 

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