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Brandenburgs Bus der Zukunft

Der EasyMile zeigt, dass autonomes Fahren bereits zum Alltag gehört.

Automatisierung, Elektrifizierung, Vernetzung. Das sind die allgegenwärtigen Themen der Automobilindustrie. Brandenburg leistet speziell beim autonomen Fahren Pionierarbeit. Jetzt, in dieser Sekunde, fährt mit großer Wahrscheinlichkeit ein Bus ohne Fahrer – in einer Kleinstadt in Ostprignitz-Ruppin.

 

Mann versus Maschine: der Kleinbus EasyMile EZ10

Wusterhausen/Dosse.Ein Raumschiff ist gelandet, und das ausgerechnet in Ostprignitz/Ruppin. Mitten auf einem Marktplatz im Nordwesten Brandenburgs steht er, der EZ10. Was nach einem neuen Roboter in "Star Wars" klingt, ist greifbare Technologie-Innovation. Quadratisch, praktisch, gut soll er sein: der erste autonome Bus Brandenburgs. Als Pionier seiner Gattung transportiert der EasyMile EZ10 seit Juli 2019 bis zu sechs Fahrgäste – und das ohne Steuermann. 

Optisch erinnert der EZ10 an einen futuristischen Toaster. Sieht aus wie aus dem Weltall, kommt aber aus Frankreich. Die Firma „Groupe Ligier“, dem einen oder anderen als Formel-1-Hersteller bekannt, verschickt die Busse mittlerweile um den halben Erdball. Nizza, Helsinki, selbst im bayrischen Bad Birnbach legt man das Lenkrad in programmierte Hände.

In Wusterhausen wird ostdeutsche Pioniergeschichte geschrieben. Dort übernimmt der EZ10 Streckenteile der Buslinie 708. Wer touristische Highlights wie den historischen Markt von Wusterhausen im autonomen 6-Sitzer besichtigen möchte, braucht aber vor allem eines: brandenburgische Besonnenheit. Da sich der EasyMile derzeit noch in der Testphase befindet, legt er gemächliche 15 km/h zurück. Bald wird er auf 25 km/h aufgestockt. Das entspricht ungefähr der Hälfte der Geschwindigkeit eines regulären Linienbusses.

Foto: dekra.de

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Dafür fühlt man sich während der kapitänlosen Fahrt wie auf einem Kreuzfahrtschiff der Luxusklasse. Modernste Technik macht den Bus so leise wie einen Kahn im Spreewald. Zusätzlich lässt die geringe Anzahl der Sitzplätze Exklusivität aufkommen – und das zum regulären Tickettarif der Ostprignitz-Ruppiner Personennahverkehrsgesellschaft.

Doch hat die Maschine den Menschen besiegt? Kommt das grummelige „Ihr Wechselgeld!“ in Dosse demnächst aus der Dose? In naher Zukunft wohl noch nicht. In Brandenburg werden auch in den kommenden Jahren viele Fahrer ihren Dienst antreten müssen. Durch die 2 Millionen Euro Forschungsgelder vom Bund wird jedoch ein Zahn zugelegt auf dem Weg Richtung Automatisierung. Weil schon jetzt kaum genügend Busfahrer gefunden werden können, eine echte Chance, den öffentlichen Personennahverkehr vor allem in dünner besiedelten ländlichen Regionen aufrecht zu erhalten.

Foto: dekra.de

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Fahrschule für Roboter: das DEKRA Technology Center

Irren ist menschlich? Nun ja. Auch autonome Fahrzeuge können Fehler begehen. Damit sich technischer Fortschritt und Verkehrssicherheit nicht gegenseitig ausschließen, werden selbstständig fahrende Pkw, Lkw und Busse wie der EasyMile ausgiebig getestet, bevor sie in den fließenden Verkehr rollen. In Brandenburg geschieht das auf dem DEKRA-Lausitzring in Klettwitz. Wo Rennfahrer auf zwei oder vier Rädern regelmäßig an die Grenzen der menschlichen Belastbarkeit stoßen, stehen nun auch autonome Fahrzeuge auf dem Prüfstand.

Durch die Gründung des DEKRA Technology Centers hat Transportinnovation ein brandenburgisches Zuhause gefunden. Erst nachdem jeder Algorithmus fehlerfrei greift, dürfen autonome Fahrzeuge den Straßenverkehr revolutionieren. Der DEKRA-Lausitzring mit einer Gesamtfläche von 545 Hektar ist das größte Testfeld für autonome Fahrzeuge in Europa.

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